Eine schamanische Geschichte

Das unbeachtete Bäumchen

Eines Morgens stand ich wieder einmal auf unserem Balkon und schaute mir die Blumen auf der Wiese und die nun wieder blühenden Bäume an. Ich dachte mir noch: „Wie schnell alles wächst und blüht“, bis mein Blick auf einen kahlen Baum fiel. Anfangs dachte ich noch, „Naja der braucht halt noch.“ Ich schaute ihn länger an und dachte, „Schön ist der nicht, war er auch noch nie, er ist kleiner, nicht schön gewachsen, schmächtig, mit Moos bewachsen und hat Pilzbefall.“ Als ich ihn noch eine Zeit lang betrachtete, kam mir der Gedanke, „ Ich bin doch Schamane, frag ich ihn halt, was ihm fehlt.“

 

Also gut, Lust zum Reisen hatte ich nicht wirklich, „Stelle ich halt so losen Kontakt her.“ Ich sprach: „Hallo Baum, was ist los mit dir, was fehlt dir?“ Mit zaghafter Stimme bekam ich die Antwort: „Ich fühle mich unbeachtet.“ „Aha, unbeachtet“, dachte ich mir, „wirklich beachtet habe ich ihn zuvor auch nicht, obwohl er genau vor unserem Balkon steht.“ Ich fragte dann, „Was kann ich für dich tun, Freund Baum?“ Ungläubig schien er mir zu antworten: „Es wäre schön, wenn du mich beachten würdest.“ „Okay, was kann ich noch tun?“ „ Etwas Tabak wäre schön.“ Ich brachte ihm Tabak und schaute mir den Baum nochmal genauer an und dachte mir, „Das wird wohl nicht reichen, da sollte man noch nachbohren.“ Ich dachte weiter über den Baum nach und ja, ich beachtete den Baum nicht, die meisten Leute sowieso nicht und ich konnte mich auch nicht daran erinnern, dass ich jemals bewusst wahrgenommen hätte, dass sich ein Vogel auf dem Baum niederließ. Ich überlegte, was ich tun könnte, dass dieses Bäumchen mehr Beachtung bekommt. In der Zeit, in der ich überlegte, bekam ich dann mehrmals die Bestätigung, dass er wirklich nicht beachtet wurde.

Irgendwie wollte ich dann daraus ein Gemeinschaftsprojekt machen. Ich sagte meiner Lebensgefährtin Karina und Sohn Niko, was dem Baum fehlt und zusammen beschlossen wir, bunte Bänder an den Baum zu hängen, was wir dann auch machten. Außerdem grüßen wir ihn am Morgen, zwischendurch wenn Zeit ist und wünschen ihm eine gute Nacht, wenn wir schlafen gehen.

Das war dann schon ein gutes Gefühl, als er die ersten Knospen bekam. Aber das reichte noch nicht und ich beschloss im Zuge eines Moduls, das anstand, das Gemeinschaftsprojekt zu erweitern. Bei diesen Modulen reisen wir für unsere Partner um ihnen bei persönlichen Anliegen zu helfen. So fragte ich Manuela, mit der ich meine Meister-Ausbildung mache, ob sie zu dem Baumspirit reisen möchte um ihn zu fragen, was er noch braucht, nachdem ich ihr erzählt habe, was ich schon weiß und getan habe. Mit einem Grinsen machte sie sich auf den Weg und berichtete mir dann, was zu tun ist.

„So“, sagte sie, „der Baumspirit fühlt sich unbeachtet und schlecht behandelt. Kinder haben ihn vor längerer Zeit beschimpft: „Du bist so hässlich, du musst weg!“ Und sie haben ihn mit Steinen beworfen.“ Darum fehlt ihm jetzt ein Seelenanteil, den sie jetzt zurückholen und ich ihm dann zurückgeben soll. „Außerdem“, sprach sie, „braucht er Dünger, Kalium und Heilwasser, eine Bank, dass sich die Leute zu ihm setzen können und Blümchen wären schön, sagte er.“  Gut, das machen wir.

Manuela machte sich nochmal auf die Reise, holte den Seelenanteil zurück und übergab ihn mir. Zuhause angekommen, erzählte ich Karina und Niko, was der Baum noch braucht. Wir gingen zum Baum und ich übergab ihm den Seelenanteil, der ihm fehlte. Als wir am nächsten Tag frühmorgens aus dem Fenster schauten, sagte Karina zu mir „Jetzt schaut er aber schon viel freundlicher drein.“ Ich machte mich dann auf den Weg, besorgte Dünger und Kalium, das er abends bekommen sollte. Zwischenzeitlich wurden leider die bunten Bänder  - wohl von unserer Hausmeisterin – entfernt, was mir Karina, etwas aufgebracht, sofort mitteilte. Ich dachte mir: „Gut, der Baum bekommt jetzt mehr Aufmerksamkeit und man kann davon ausgehen, egal wer die Bändchen vom Baum genommen hat, er wird es erzählen und somit ungewollt erreichen, dass der Baum weiter mehr Beachtung bekommt.“ Mir fiel abends dann auch auf, dass sich Kinder über den Baum unterhielten und es schade fanden, dass die Bänder weg sind.

In den darauffolgenden Tagen bekam der Baum ständig mehr Knospen, die langsam zu Blättern wurden.

Nachdem es zwei Tage geregnet hatte und der Dünger und das Kalium in den Boden eingezogen waren und ich den Baum mit Heilwasser übergossen hatte, ging ich los und besorgte die gewünschten Blümchen. In einem netten Blumenladen in Haidhausen sah ich dann Vergissmeinnicht, ich schaute sie an und dachte: „Wie passend!“, nahm sie mit und pflanzte sie ein. Ich merkte, wie es mir immer mehr Freude bereitete dem Baum zu helfen.

Wir beobachteten das Bäumchen weiter und freuten uns über jede Knospe und darüber, wie er immer mehr Blätter bekam und dass sich vermehrt Meisen und Amseln und sogar eine Saatkrähe auf den Baum setzten. „Vielleicht ist er in ein paar Jahren so dicht, dass die eine oder andere ihr Nest drin baut.“

Drei Tage später waren dann die Vergissmeinnicht weg, fast wie erwartet. Als ich dort hin ging, sah ich, dass sie samt Wurzeln entfernt wurden und nur noch ein Loch da war. Die Hausmeisterin?

Naja, sie beachtet ihn halt jetzt auf ihre Weise ….

„Gut, dann pflanze ich halt Blümchen für das Bäumchen auf unserem Balkon, muss dann halt so gehen.“ Uns wurde klar, dass wenn weder die Bändchen noch die Blümchen erwünscht sind, dass dann so eine kleine Bank wohl nicht lange an dem Platz stehen würde. „Was sollen wir tun?“ Vielleicht sollen wir uns einfach ab und zu eine Decke schnappen und uns unter das Bäumchen setzen? Es werden mit Sicherheit Leute kommen, die sich zu uns gesellen und sich mit uns unterhalten, kommt sich vielleicht auf das gleiche heraus, damit das Bäumchen mehr Beachtung findet und Gesellschaft hat.

Ich habe nun das Gefühl, dass das Bäumchen wieder lebt und sich in den nächsten Jahren gut entwickeln wird. Ich werde gelegentlich eine Reise zum Baumspirit machen und ihn fragen, wie es ihm geht und was er braucht.

 

Das letzte Bild entstand 8 Tage nach der ersten Kontaktaufnahme.

 

 

 

Ich bedanke mich herzlich bei all denjenigen, die mir beim Bäumchen geholfen haben, und auch all denjenigen danken, die mir ermöglicht haben meinen Weg zu gehen, sodass mir solche Sachen wie das Bäumchen bewusster werden.

 

 

 

 

 

Das Bäumchen drei Wochen später ...

 

 

Das Bäumchen hat mir sehr geholfen, mein Bewußtsein als Schamane zu erweitern und zu sensibilisieren. Ich bin seitdem wieder wesentlich aufmerksamer meiner Umwelt gegenüber und mir fällt schneller auf, wenn was nicht passt. Ich habe seitdem in unserem Hof für fast alle Pflanzen etwas getan, sodass es ihnen allen momentan etwas besser geht und werde zweimal jährlich, im Frühjahr und im Herbst zu den Spirits reisen und sie befragen, was die Pflanzen im Hof noch so alles brauchen. Auch anderen Bäumen, die mir auffielen, habe ich bereist und ihnen das gebracht, was ihnen fehlte.

 

Ich bedanke mich bei dem Bäumchen, dass es mir geholfen hat, mich weiter zu entwickeln.

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Peter Bierl

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